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Guardian: The Lonely and Great God


Überarbeitung Januar 2026:

Goblin (Dokkaebi) gehört zu den seltenen K-Dramen, bei denen sich auch beim Rewatch in der Kultwatchparty noch einmal zeigt, warum sie so viele Zuschauer:innen für sich gewonnen haben – und gleichzeitig, wo das Drama sehr bewusst auf die Tränendrüse drückt. Als Mischung aus Fantasy, Romantik, Melodrama und Bromance ist es ein echtes Gefühlsfeuerwerk, das viel Kitsch riskiert, aber durch starke Figuren, ikonische Szenen und eine extrem stimmige Stimmungskulisse fast immer die Kurve kriegt.

Goblin in Kurzform
Goblin – im Original „Guardian: The Lonely and Great God“ – erzählt die Geschichte von Kim Shin, einem Goryeo-General, der vom König verraten und getötet wird und von einer höheren Macht als unsterbliciger Dokkaebi wieder aufersteht. 900 Jahre lang wandert er durch die Welt, hilft Menschen mit seinen Kräften und wartet darauf, dass seine prophezeite Braut das unsichtbare Schwert aus seiner Brust zieht und ihn endlich sterben lässt.
Ji Eun Tak, eine Highschool-Schülerin, die Geister sehen kann und trotz tragischer Vergangenheit erstaunlich hell bleibt, behauptet genau diese Braut zu sein – was romantisch ist, die Sache aber kompliziert macht, sobald echte Gefühle ins Spiel kommen.

Guardian: The Lonely and Great God
Südkorea, 2016–2017
Episoden: 16 Episoden à ca. 75 Minuten
Genre: Fantasy, Romance, Comedy, Melodrama
Original-Network / Plattformen: tvN; u. a. auf Netflix, Viki, Apple TV und Prime Video legal streambar.

Spoilerfreie Story
In der Gegenwart lebt Kim Shin als wohlhabender, etwas exzentrischer „Onkel“ in Korea, immer noch gebunden an sein Schwert und an die Schuldgefühle aus seinem alten Leben. Sein Weg kreuzt sich mit Ji Eun Tak, die ihn herbeirufen kann, seine Aura sieht – und überzeugt ist, dass ihr die Rolle der Goblin-Braut zugedacht ist, obwohl sie noch Teenager ist und selbst mit genug Problemen kämpft.
Zusätzlich zieht ein namenloser Grim Reaper bei ihm ein, der sich nicht an sein früheres Leben erinnert, und sie stolpern gemeinsam in eine WG-Bromance, während Sunny, eine charismatische Hühnchenladen-Besitzerin, sich in den Grim Reaper verguckt. Zwischen Wiedergeburt, Schicksal, alten Verbrechen und zweiten Chancen verwebt die Serie eine große Liebesgeschichte mit der Frage, ob ein langes Leben wirklich Segen oder eher Fluch ist.

Figuren und Dynamik
Kim Shin ist der klassische tragische Held, der zwar mit göttlichen Kräften durch die Jahrhunderte geht, innerlich aber an Schuld, Einsamkeit und der Unmöglichkeit eines normalen Lebens zerbricht. Seine Tollpatschigkeit im Alltag und sein kindlicher Sturkopf stehen im scharfen Kontrast zu den stillen Momenten, in denen die 900 Jahre Gewicht auf ihm spürbar werden.
Ji Eun Tak bringt Leichtigkeit, Chaos und jugendliche Direktheit in sein eingefrorenes Leben, wirkt dabei aber nicht nur quirlig, sondern trägt die Narben einer problematischen Kindheit und jahrelangen Ausgrenzung sichtbar mit sich herum.
Der Grim Reaper ist mit seiner totenpan-trockenen Art, den Tränen und der kompletten Planlosigkeit im Alltag eine der heimlichen Hauptfiguren. Seine Dynamik mit Kim Shin – vom unfreiwilligen Mitbewohner über genervtes Gezanke bis hin zur sehr greifbaren Zuneigung – ist eine der größten Stärken des Dramas und sorgt für viele der ikonischen Comedy-Momente.
Sunny und ihre Beziehung zum Grim Reaper bilden eine zweite, melancholischere Love Story, die stark mit der Vergangenheit des Goryeo-Königs und der Schwester des Generals verknüpft ist und viele der schmerzhaften Wendungen der Serie trägt.

Ton, Themen und Inszenierung
Goblin ist in vielerlei Hinsicht ein „Best of K-Drama“: Historien-Flashbacks, Wiedergeburt, Schicksalsliebe, bromantische WG-Momente, religiös angehauchte Mythologie – es ist alles drin, was große, melodramatische Geschichten in Korea so beliebt macht. Die Serie wechselt ungeniert zwischen Slapstick, epischer Tragik, philosophischen Dialogen über Leben und Tod und knallromantischen Bildkompositionen, die wie Fotobücher wirken.
Visuell fährt Goblin voll auf: Zeitlupen im Schneegestöber, perfekt gesetztes Licht, ikonische Kamerafahrten und ein OST, der sich so hart einbrennt, dass viele ihn Jahre später noch als Klingelton nutzen – „Stay With Me“ oder „Beautiful“ sind längst K-Drama-Klassiker.
Gleichzeitig ist die Serie nicht frei von Schwächen: Manche Handlungsstränge drehen in der zweiten Hälfte deutlich Extrarunden, Wiederholungen und Rückblenden strecken die Laufzeit, und nicht jede schicksalsschwere Wendung sitzt so sauber, wie der Pathos es suggeriert. Auch die Altersdynamik zwischen dem jahrhundertealten Goblin und der sehr jungen Eun Tak sorgt regelmäßig für Diskussionen und ist etwas, auf das man sich bewusst einlassen muss.

Persönliches Fazit & Bewertung
Im Rewatch mit der Kultwatchparty hat Goblin noch einmal gezeigt, wie perfekt es emotional funktioniert, wenn man sich auf die Mischung aus Märchen, Melodrama und Comedy einlässt – die Bromance, viele Dialoge und einzelne Folgen fühlen sich auch Jahre später noch erstaunlich frisch an. Einige Längen in der zweiten Hälfte bleiben spürbar, aber viele der emotionalen Spitzen, der OST und die großen romantischen Momente sind so ikonisch, dass sie die Schwächen ziemlich gut überstrahlen.
Für ein Drama, das Genre-Grenzen so konsequent ignoriert und dabei ein so stimmiges Gesamtpaket aus Story, Figuren, Inszenierung und Musik liefert, gibt es von mir sehr solide 10 von 10 Punkten

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Silvio 17.01.2026, 09.53

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